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Was ist Wildnispädagogik?

Aktualisiert: 28. Feb 2018

Aufstehen, anziehen, fertig machen, schnell einen Kaffee trinken, nebenbei alle wichtigen Social-Media-Kanäle auf dem Handy gecheckt und dann geht’s zur Arbeit. Nach einem acht Stunden Tag führt einen der Weg danach vielleicht noch ins Fitnessstudio oder direkt auf die heimische Couch. So geht es vielen Menschen Tag für Tag, Woche für Woche. An den Wochenenden ist – zumindest theoretisch – Erholung angesagt. Aber auch die artet nicht selten in Freizeitstress aus. Kein Wunder, dass wir irgendwann an einen Punkt gelangen, an dem uns all das zu viel und zu eintönig wird. Wir wollen raus aus dem Trott, zurück zu unseren Wurzeln. Zurück in die Natur. Denn wir sind oftmals in einem Hamsterrad aus Gewohnheiten gefangen. In der Natur lernen wir wieder achtsamer zu werden für das, was wir wirklich brauchen. In der Wildnis erleben wir Abenteuer und machen Entdeckungen, die uns zuhause höchstens passiv als TV-Blockbuster oder Fernseh-Serie geboten werden. Kurz: Durch die Verbindung mit der Natur können wir Neues erleben und Gewohnheiten durchbrechen. Ermöglicht wird das durch die Wildnispädagogik. Mit allen Sinnen können wir die Wildnis spüren, sie kennenlernen, mit ihr in Einklang kommen und im Idealfall genau diese Erfahrungen an unsere Mitmenschen weitergeben.


Was ist Wildnispädagogik? Die Wildnispädagogik gibt den Menschen das zurück, was sie in ihrem normalen Alltag nur schwer finden. Sie bietet Ruhe, Rückbesinnung auf das Wesentliche und Notwendige. Darüber hinaus schult sie unsere Sinne und vermittelt wertvolles Wissen über ihre Zusammenhänge und Abläufe. Um dies zu erreichen, bietet die Wildnispädagogik Techniken an, die den Lehren der Naturvölker entstammen. Dazu gehören die Lehren des Coyoten, das sogenannte Coyote Teaching. Dabei wird der Lernende von einem Mentor auf seinem Weg durch die Natur begleitet. Er bekommt kein „fertiges“ Wissen vor die Nase gesetzt, sondern muss es sich selbst aneignen. Denn die eigentliche Lehrmeisterin ist die Natur. Durch die geweckte Neugierde und ungewohnte Situationen soll der Lernende eigene Erfahrungen sammeln und dadurch Antworten finden. Denn worauf es in der Wildnispädagogik ankommt, sind die eigenen Erfahrungen. Darüber hinaus sorgt die Wildnispädagogik dafür, dass wir uns intensiv mit der Natur auseinander setzen, sowohl mit ihren Gesetzmäßigkeiten und Abläufen als auch mit uns selbst. Denn auch wir sind Teil der Natur. Wir nehmen über unsere Sinne Körper und Geist neu wahr. Woraus die Wildnispädagogik eine weitere große Stärke zieht ist das Leben und Handeln in der Gemeinschaft. Wildnispädagogische Veranstaltungen lassen so individuelle Stärken und Talente noch besser zum Vorschein kommen. Außerdem kann sich jeder mit seinen herausragenden Eigenschaften in die Gruppe einbringen und davon profitieren an der Gemeinschaft zu wachsen und sich persönlich weiterzuentwickeln.


Was sind die Ziele der Wildnispädagogik? Die vordergründigen Ziele der Wildnispädagogik sind, den Zugang zur Natur wieder herzustellen, aber auch das (Über-)Lebenstraining in der Natur. Das geschieht dadurch, dass die komplexen Zusammenhänge in der Natur sowie die Verbundenheit zwischen Mensch und Natur wieder erfahrbar gemacht werden sollen. Aber wir lernen in der Wildnispädagogik nicht nur die Natur besser kennen, sondern auch uns selbst. Unsere Wahrnehmung wird geschult und somit gestärkt. Das geschieht u.a. durch erlebnisorientierte Übungen. Bevor sich unsere Zivilisation zu dem entwickelt hat, was sie jetzt ist, war es selbstverständlich ein Teil der Natur zu sein. Wir waren mit ihr verbunden, unser Verstand, unsere Gefühle und unsere Instinkte. Das ist uns aber mit zunehmender Zivilisierung immer mehr abhanden gekommen. Die Natur ist uns fremd geworden. Das belegt auch das sogenannte Natur-Defizit-Syndrom. Besonders betroffen sind davon Kinder. Sie führen ein zunehmend naturentfremdetes Leben. Ihnen fehlt die Beziehung zu natürlichen Abläufen, zum Beispiel danach, wo das Essen herkommt. Das macht sie anfällig für Süchte und Essstörungen. Kinder, die sich allerdings regelmäßig in der Natur aufhalten, leben gesünder und glücklicher. Ihre Neugier und Lebenslust ist geweckt. Genau das will die Wildnispädagogik erreichen. Sie sorgt dafür, dass wir uns wieder mit der Natur verbinden können und als Teil dieser sehen können. Egal, was uns dazu antreibt, ob berufliche oder persönliche Interessen, wichtig ist, dass wir uns darauf einlassen und zwar mit voller Leidenschaft. Wildnispädagogik unterscheidet sich von dem allgemeinen Pädagogik-Verständnis insofern, als dass es nicht darum geht nur stupide zu lernen, was einem gesagt wird, sondern darum, aus eigenen Erfahrungen Wissen zu ziehen. Denn was nützt es mir, theoretisch zu wissen wie ich Feuer machen kann, weil es mir gezeigt wird, praktisch aber nicht in der Lage dazu bin es selbst umzusetzen? Denn erst, wenn ich das Feuer selbst entfacht habe, verspüre ich doch das Erfolgserlebnis und entfache damit auch etwas in mir. Eine Leidenschaft, die mich diese Verbindung mit der Natur noch viel tiefer eingehen lässt. Ein Verständnis, das mein Ganzes – meinen Körper, meine Seele und meinen Geist – mit einbezieht.


Warum brauchen wir Wildnispädagogik? Die Wildnispädagogik bringt uns nicht nur der Natur und uns selbst näher, sie zeigt uns auch, dass wir unter bestimmten Bedingungen alle die gleichen Voraussetzungen haben. Wer sich wildnispädagogisch weiterbilden will, kann das sowohl als Lehrer, Schüler, Bankangestellter, Manager oder Arbeitsloser tun. Wahrscheinlich werden die wenigsten durch ihren Beruf einen nennenswerten Vorteil haben. Darauf kommt es letzten Endes auch nicht an. Denn nur, weil ich als Biologie-Lehrer gut Pflanzenarten bestimmen kann, muss ich noch lange nicht in der Lage sein mich auch gut Tarnen zu können. Ungeachtet der eigenen Stärken und Voraussetzungen dient die Wildnispädagogik dazu selbstbestimmtes Lernen zu unterstützen. Sie wendet sich dazu sowohl an Bildungseinrichtungen wie Kindergärten, Jugendgruppen, Schulen und Universitäten, aber auch an Firmen, Privatgruppen und Familien. Zu wissen, als Mensch Teil der Natur zu sein, ist das Eine, dies aber auch intensiv zu spüren, das Andere. So erlangen wir wieder Respekt vor der Natur. Wir sehen sie nicht mehr nur als etwas an, das wir Menschen zu beherrschen haben. Im Gegenteil, wir betrachten sie als etwas, das wir wertschätzen und schützen sollten. All diese Erfahrungen können wir auch in unser alltägliches Leben übertragen. Durch Übungen wie den „Sitzplatz“ zum Beispiel werden wir aufmerksamer für das, was uns umgibt. Durch das Kochen mit Wildpflanzen und dem Zubereiten von Heilkräutern würdigen wir unsere Umgebung wieder entsprechend. Denn sie hat viel mehr zu bieten als es auf den ersten Blick scheint. Auch die Beschäftigung mit bestimmten Fragestellungen und die Betrachtung der Natur als Spiegel, lassen uns unser Selbst und unseren Alltag nochmal auf eine ganz andere Art und Weise reflektieren. Mit dem Schritt in die Wildnis wagen wir den Schritt raus aus der Komfortzone.


Was bietet Naturabenteuer Niederrhein? Wir bei Naturabenteuer Niederrhein möchten die Wildnispädagogik für alle, die Interesse an den Themen und Inhalten haben und sich (beruflich) weiterbilden möchten, erfahrbar machen. Egal, ob Lehrer/in, Erzieher/in oder Sozialarbeiter/in. Jeder, der Interesse an der Thematik hat, soll hier Zugang dazu finden. Dazu bieten wir die neunmonatige Weiterbildung „Natur- und Wildnispädagogik“ an. In dieser lernen die Teilnehmer eine tiefe Naturverbundenheit aufzubauen und eignen sich wertvolles Wissen über die ökologischen Abläufe in der Natur an. Damit qualifizieren sich die Teilnehmer eigenständig natur- und wildnispädagogische Angebote für Erwachsene, Jugendliche und Kinder zu organisieren und durchzuführen. Weitere Informationen zur Weiterbildung „Natur- und Wildnispädagogik“ gibt es hier.

#wildnispädagogik #naturverbindung #coyoteteaching


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