Das Natur-Defizit-Syndrom - Welche Auswirkungen hat es?

Immer mehr Kinder leben in einer städtischen Umgebung. Dort haben sie nur wenig Gelegenheit in die Natur zu gelangen. Auch nicht alle wollen es. Die Naturentfremdung bei Kindern und Erwachsenen wächst. Welche Auswirkungen aber hat das sogenannte Natur-Defizit-Syndrom auf unser Leben?


Dem Natur-Defizit-Syndrom entgegenwirken

Was zu Zeiten unserer Eltern noch normal war, ist heute zu einer Seltenheit verkommen. Immer weniger Kinder halten sich heutzutage noch ausdauernd in der Natur auf und damit ist nicht der grüne Rasen des Fußballplatzes gemeint. Das Natur-Defizit-Syndrom ist immer häufiger anzutreffen.


Naturentfremdung zum eigenen Nachteil

Als Kind stand im Garten meiner Eltern ein Kirschbaum. Dieser Kirschbaum hatte nicht nur jedes Frühjahr schöne Blüten, schenkte süße Früchte und spendete Schatten, nein, er war auch mein liebster Kletterbaum. Dafür war er einfach perfekt geeignet. Ich wusste genau welchen Schritt ich wohin zu setzen hatte, um bis ganz nach oben zu gelangen. Wahrscheinlich hätte ich diesen Kirschbaum sogar im Schlaf erklimmen können, so vertraut war er mir. Ich bin froh, mit diesem Baum aufgewachsen zu sein, denn heutzutage ist das wahrscheinlich eine Seltenheit geworden. Raus gehen, Bäume erklimmen. Welches Kind, dass nicht das Glück hat einen großen Garten vor der Tür zu haben oder nahe der Natur zu wohnen, hält sich auch wirklich in ihr auf?

Das Natur-Defizit-Syndrom ist allgegenwärtig

Statt rauszugehen und die Natur spielerisch zu erkunden, werden heutzutage eher die heimischen Zimmer gehütet und Computer, Playstation und Co. bearbeitet. Was früher noch eine Bezeichnung mit negativen Unterton war, ist heute zur Normalität geworden: Immer mehr Kinder sind „Stubenhocker“. Sie haben, dank der Schule, vielleicht ein theoretisch umfassendes Wissen von dem, was in der Natur geschieht, aber kein Gefühl dafür, was sie da wirklich umgibt. Schuld ist das Natur-Defizit-Syndrom oder auch die Naturdefizit-Störung. Geprägt hat den Begriff Richard Louv in seinem Werk "Das letzte Kind im Wald". Das Buch hat für weltweites Aufsehen gesorgt. Dabei handelt es sich bei der Naturdefizit-Störung nicht um eine medizinische Diagnose, sondern um ein beobachtbares gesellschaftliches Problem. Der Begriff beschreibt die menschliche Entfremdung von der Natur mit den dazugehörigen schwindenden Sinneserfahrungen, Aufmerksamkeitsproblemen und einer steigenden Anzahl an körperlichen und emotionalen Erkrankungen. Das kann nicht nur den Einzelnen betreffen, sondern ganze Familien, Gruppen oder sogar Städte. Laut Louv gibt es sogar Statistiken, die belegen, dass dort, wo Natur in Städten schlechter erreichbar oder seltener vorhanden ist, die Kriminalitätsrate gestiegen und Depressionserkrankungen zugenommen haben. Die Natur ist immer weniger Bestandteil unserer Lebenswirklichkeit. Immer mehr Kinder wachsen in städtischen Gebieten auf. Sie haben Tiere wie Fledermäuse, Frösche oder sogar Kühe noch nie in freier Wildbahn gesehen, geschweige denn angefasst. Selbst da, wo die Kinder der Natur nahe sind, weil sie in ländlichen Gebieten groß werden, zieht es sie kaum mehr nach draußen. Baumhäuser errichten, Wälder erkunden und Vögel beobachten sind doch irgendwie uncoole Beschäftigungsmöglichkeiten. Mit dem neuesten Highscore bei „FIFA 18“ oder „Call of Duty“ anzugeben, verschafft in der Schule doch viel mehr Anerkennung. Oder?


Technikaffin vs. naturapathisch

Es ist inzwischen so, dass Kinder ein besseres Verständnis von Technik haben als ein Verständnis von Tieren und Pflanzen. Obwohl nicht ganz, auch das haben sie. Aber dabei handelt es sich maximal um ein theoretisches Wissen aus dem Schulunterricht. Die ökologischen Zusammenhänge können sie nicht wirklich verinnerlichen, da ihnen dafür das notwendige Verständnis fehlt. In der Schule wird kaum noch Naturkunde unterrichtet, stattdessen trockene Theorie. Die Zusammenhänge draußen zu beobachten und zu erleben, das tun die wenigsten Kinder.

Wir Menschen sind ein Teil der Natur und sollten uns als solcher auch in ihr erfahren, aber das vergessen wir oft. Denn anders als die anderen Lebewesen, passen wir uns nicht der Natur an, sondern die Natur an uns. Mit der Konsequenz, dass wir sie immer weiter zurückdrängen und uns somit immer weiter von ihr entfernen. Zum Leidwesen unserer Kinder. Denn um sich in einem Ökosystem zurecht zu finden, ist es wichtig, sich in dieses Ökosystem zu integrieren.


Was sind die Konsequenzen der Naturentfremdung bei Kindern?

Dass die Regenwälder abgeholzt werden und die Polkappen schmelzen, ist bekannt. Aber nicht nur dort weicht die Natur, auch vor unserer Haustür gibt es immer weniger „grüne“ Flächen. Parallel zu der Naturentfremdung hat auch die Zahl psychischer Krankheiten bei Kindern in den letzten Jahren zugenommen. Knapp über die Hälfte aller Jugendlichen weisen in Deutschland psychosomatische Störungen auf, darunter Depression, Angst- und Essstörungen, aber auch ADHS, die Aufmerksamkeits- Hyperaktivitätsstörung, das berichtet Andreas Weber in seinem Buch „Mehr Matsch!“. Dass kranke Menschen in Gegenwart von Tieren und Pflanzen deutlich schneller gesund werden, ist mittlerweile sogar wissenschaftlich erwiesen. Dass Kinder ihr natürliches Ritalin (ein psychologisches Stimulanz-Medikament, das bei ADHS verabreicht wird) erhalten, wenn sie in den Wald gehen, auch. Kindern mit ADHS sollte demnach mehr Naturerfahrung ermöglicht werden, um die Aufmerksamkeit zu stärken und ihre Symptome zu verringern. Denn der Kontakt mit der Natur macht Kinder nachweislich gesünder, sicherer, klüger und glücklicher. Damit könnten Medikamente überflüssig werden.


Was kann ich tun, um gegen das Natur-Defizit-Syndrom anzugehen?

Verantwortlich für das Natur-Defizit-Syndrom sind leider wir Erwachsenen. Wir wollen unsere Kinder beschützen, aber auch die Natur vor der Zerstörung durch unsere Kinder bewahren. Aber anstatt das Spielen auf natürlichen Flächen aus Angst vor Unfällen oder Zerstörung zu verbieten, sollte es wieder nutz- und erfahrbar gemacht werden. Kinder sollten sich nicht ständig an „Wald- und Parkvorschriften“ halten müssen, sondern die Möglichkeit bekommen ihr freies Spiel umzusetzen. Denn das ist es, was sie für die gesunde Entwicklung ihrer Sinne und somit für ihr Lernen und ihre Kreativität brauchen. Denn natürliche Räume und Materialien stimulieren die Fantasie der Kinder, machen sie erfinderischer und fördern ihre Schöpferkraft. Der Mensch ist abhängig von der Natur, nicht nur als Nahrungsquelle. Tiere und Pflanzen nähren uns, aber die Natur zu erleben ist wichtig für seine emotionale und kognitive Gegenwart. Dabei reicht es nicht aus, einmal im Jahr in den Zoo zu gehen. Auch wenn dies immerhin schon ein Schritt in die richtige Richtung wäre, sofern man sich damit aus ethischen Gründen arrangieren kann. Was Kinder brauchen, ist die Möglichkeit an der Natur teilzuhaben. Denn sie erfahren nicht nur durch Beobachtung und Lernen, sondern vor allem durch Teilhabe. Wir erkennen uns als menschliche Lebewesen nur in Beziehung zu anderen Lebewesen. Das zeigt sich schon in ganz jungen Jahren daran, dass Kinder Tiere imitieren. Sie spielen Katze und Hund, Löwe und Tiger. Sie wollen Teil der Natur sein.


Alleine im Internet surfen: ja – alleine vor die Tür: nein

Werden die Kinder erst mal älter, wächst auch die Angst. Eltern scheuen sich davor ihre Kinder vor die Tür zu schicken, weil sie sich draußen beim Spielen verletzen könnten, weil im Straßenverkehr Unfälle passieren könnten oder weil ihnen andere schlimme Dinge zustoßen könnten. Verständlich und nachvollziehbar. Trotzdem gibt es Möglichkeiten Kindern ihnen die Natur wieder näher zu bringen. Denn sie aus Angst in den eigenen vier Wänden „gefangen“ zu halten, kann nicht die Lösung sein. Zumal im Internet weitaus größere Gefahren lauern können. Also mehr Natur, weniger Computer und Fernsehen. Wenn Eltern sich dabei wohler fühlen, sollten sie mit ihren Kindern rausgehen; Sonntags in den Wald, an heißen Sommertagen an den See, im Winter in die Berge. Auch der Besuch von Wildtier-Parks und Zoos bietet tolle Gelegenheiten die Natur gemeinsam zu erfahren.


Was bietet Naturabenteuer Niederrhein, um Natur wieder erfahrbar zu machen? Bei Naturabenteuer Niederrhein bieten wir verschiedenen Programme für Kinder und Eltern an. So können Schulklassen zum Beispiel ihre Wandertage von uns ausrichten lassen. Im Fokus steht dabei der Kontakt mit der Natur und Naturmaterialien. Das Programm Naturforscher lässt Kinder die Natur entdecken, spricht ihre Sinne an und fördert ihre Fähigkeiten. Außerdem bieten wir in den kommenden Sommerferien einen Ferienspaß an unter dem Motto „Computer aus und raus – Abenteuer erleben in der Natur!“ Darüber hinaus veranstalten wir auch in diesem Sommer wieder ein Eltern/Kind Camp sowie Kurse, die sich in erster Linie an die Erwachsenen richten, wie die Weiterbildung Natur- und Wildnispädagogik , Pflanzenwissen und Spurenlesen & Vogelsprache . Möglichkeiten gibt es viele, man muss sie nur nutzen.



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